Sommer, Sonne, Griechenland

Meer. Sonne. Eine Insel. Meer. Sonne. Das Licht lässt die Landstriche immer wieder auftauchen und verschwinden. Sie strecken sich wie Lebensadern ins Wasser, schwimmen darin. Manche scheint der Ozean regelrecht zu verschlingen.

Kos, Griechenland

 

Tag 1 

Ich drücke meine Wange fester gegen das kalte Fenster, um unser Ziel erkennen zu können. Das Licht zieht sich immer weiter zurück, der Boden kommt näher und näher. Mit einem Ruck befinden wir uns auf griechischem Boden. Die Türen öffnen sich und ich pralle gegen die Hitze. Mit einem angenehm abkühlenden Windstoß schleicht sich ein leichter Geruch von Salzwasser, Olivenbäumen und Kerosin in meine Nase. Ich steige in den Bus. Menschen. Viele Menschen. Verschwitzt, müde und gestresst. Kinder schreien. Pärchen streiten. Es stinkt. Ich pralle erneut gegen eine Wand aus heißer Luft und rieche endlich wieder das Meer. Weit weg, aber es ist da. Ich kann es riechen. Während einige mit dem Shuttle in die riesigen Anlagen verfrachtet werden, um dann den Pool, die Hotelbar und das Buffet zu stürmen machen wir uns auf, um uns einen Mietwagen zu besorgen und den Touristenmassen so schnell wie möglich zu entgehen. Ich verbringe meine Urlaube gerne weit weg von käfigähnlichen Hotelanlagen und bevorzuge kleine Pensionen oder Ferienapartments, wovon es auf Kos genügend gibt. Auf dem Balkon unserer Unterkunft angekommen kann der Urlaub nun endlich beginnen. 

 

Tag 2 

Ziel unseres ersten Ausfluges soll Kos Stadt sein, die Hauptstadt der Insel. Sie ist beschaulich aber lebendig. 

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Wir parken direkt am Hafen und sofort bin ich beeindruckt. Ich blicke auf ein wunderschönes und naturgeformtes (!) Hafenbecken. Hier musste einfach eine Stadt entstehen! Dank des Erdbebens befinden sich fast ausschließlich kleinere Fischerboote im Hafen, weshalb er sich uns heute ganz im ursprünglichen Charme präsentiert.

Vorbei an den bunten Shops, die in nahezu jeder Gasse mit den unzähligen gleichen Strandtüchern, Bademoden, Magneten, Hüten, Postkarten und natürlich den für Griechenland typischen Statuen der Götter und Philosophen vertreten sind, schlendern wir durch die Altstadt zur Platane des Hippokrates. Ein circa 2000 Jahre alter Baum, von dem zwar nur noch ein Teil des Hauptstammes zu sehen ist, doch die jüngeren Äste ragen daraus empor und verleihen dem Baum noch immer Leben.       

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Unser nächstes Ziel ist die westliche Ausgrabungsstätte in Kos Stadt, in der man beeindruckende Mosaike, dorische Säulen der Überreste eines Gymnasion aus dem 2. Jh. v. Chr., römische Thermen, sowie ein vollständig rekonstruiertes Nymphäum kostenfrei besichtigen kann. An den Sehenswürdigkeiten tummeln sich natürlich einige, aber zum Großteil interessierte Touristen. Wenn man nicht gerade von einem Selfiestick erschlagen wird, dann ist die Stimmung unter den Touristen auf dieser Insel sehr entspannt. Überall eine angenehme Mischung aus Einheimischen und Urlaubern. Neben den eher gelangweilten oder von der Hitze erschlagenen Touris sitzen in fast jedem Schatten ein paar griechische Herren, die von der Arbeit pausieren, ihre Zigarette rauchen und unaufgeregt diskutieren oder nur das Treiben beobachten. Das Wetter entspannt alle. Zwangsläufig. Nirgendwo ist auch nur ein Hauch von Hektik spürbar. Die Griechen versprühen durch ihre lockere und wenig beschleunigte Lebensart, durch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft eine unheimlich entspannte Energie. Die Lockerheit färbt schnell ab. Man vergisst die Zeit, lebt in den Tag hinein und lässt sich durch absolut nichts aus der Ruhe bringen. 

Apropos: In Kos Stadt entdeckten wir am Strand eine auch bei Einheimischen sehr beliebte Bar, in der man es sich auf der Loggia, oder direkt am Wasser auf einer der Strandliegen gemütlich machen kann. Diesen und ein paar andere unserer persönlichen Geheimtipps findet ihr hier. Bei entspanntem Ambiente schlürfen wir zum Abschluss des Tages einen Frappé, beobachten das Meer und lassen uns von sanften Klängen elektronischer Musik beschallen, während wir inspiriert von der Stadt und ihrer Geschichte über die Philosophie philosophieren. 

 

Tag 3 

Am dritten Tag schlendern wir zum Strand und entdecken einen schattigen Abschnitt an dem wir fast alleine sind. Ein paar Bäume ragen aus dem Sand. Das Wasser ist ganz still. Wir suchen uns ein Plätzchen im Halbschatten und werfen unsere Sachen in die Äste. Hach. Ich lausche ein paar Sekunden dem Rauschen der sanften Wellen. Das Wasser ist türkis, so klar.

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Tag 4

Nachdem Abendessen am Tag zuvor etwas üppiger ausgefallen ist und der Wein besonders gut geschmeckt hat, beschließen wir auch heute nur am Strand zu verweilen und unsere Akkus noch ein wenig aufzuladen. Ein bisschen Action muss trotzdem sein, also packen wir unsere Schnorchelausrüstung und die Unterwasserkamera ein, und ab geht’s zum Meer! Am gleichen Strand, direkt neben unserem gemütlichen Platz unter den Bäumen befindet sich eine wunderschöne Beachbar an einer alten Mühle. Hier lässt es sich leben. Definitiv ebenfalls einer unserer Hotspots auf Kos!

 

Tag 5 

Nun muss wieder unsere Neugierde gestillt werden. Also geht es los mit dem frisch gemieteten Quad zur nächsten Ausgrabungsstätte, dem Asklepieion von Kos, etwas außerhalb von Kos Stadt. Die Sonne brennt nicht mehr auf der Haut, die Luft riecht nach Nadelholz, das Zirpen der Zikaden ist laut, sehr laut, der Wind erfrischt angenehm. Plötzliche Gänsehaut. Doch nicht vom Wind. 

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Diese Anlage ist atemberaubend. Eine inspirierende Magie erfasst mich an diesem Ort. Vor 2000 Jahren ließen sich Menschen hier heilen, gaben ihr Wissen weiter. Aus dem Boden ragen Teile von alten Wasserleitungen, egal wohin der Blick schweift liegen Tonscherben und Haufen von beschlagenen Steinen. Man kann nur erahnen, dass hier einmal geliebt und gehasst, bedauert, gelitten und gelacht, gelebt und gestorben wurde. Alles scheint vergangen. Aber ich stehe nun hier auf diesem umherliegenden Marmorblock, bei genauerem Betrachten offensichtlich eine Türschwelle. Ich frage mich wer bereits durch diese Tür gegangen sein mag? Ich stehe auf dem Stein, blicke zwischen den Säulen und Bäumen hinunter zum Meer und ich frage mich ob jemand bereits das gleiche gefühlt hat als er hier stand? Alles scheint nur ungewisse Vergangenheit zu sein. Ich spüre die Kraft der Zeit, die Vergänglichkeit des Lebens und die Belanglosigkeit eines Moments im großen Ganzen. Diese Art von Begeisterung vereinnahmt vielleicht nicht jeden im gleichen Maße, doch es kann bereichernd sein sich dafür zu öffnen.

 

Tag 6  &  Tag 7

Sonne. Sand. Meer. & Photographieren. & natürlich gutes Essen. 

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Tag 8 

Den vorletzten Tag nutzen wir um mit dem Quad die Landschaft zu erkunden. Kos ist keine flache Insel und hat deshalb eine abwechslungsreichere Natur zu bieten, als viele andere Inseln. Ein Trip ins Landesinnere ist Pflicht bei einer Reise nach Kos! Die griechischen Bergdörfer sind sehr idyllisch und bieten fast alle einen tollen Ausblick, dafür muss man nicht zwingend in das überlaufene und touristische Dorf Zia, in das pünktlich zum Sonnenuntergang die hungrigen Urlauber in Scharen strömen. Es ist zwar unbeschreiblich schön  von den Bergen aus zu beobachten wie sich der Himmel in den schönsten Farben färbt und das Licht auf dem Wasser reflektiert, bis die Sonne hinter dem Horizont verschwindet. Aber es gibt auch abseits des Tourismus wundervolle Orte, die einen tollen Ausblick bieten. Einen davon findet ihr hier.  

Mein Tipp: Auf der Karte einen Weg durch die Berge suchen und dann einfach flexibel und mutig sein. Die Straßen, die aussehen als würden sie ins Nichts führen, führen in den meisten Fällen zu den schönsten Ecken! Allerdings sollte man diese nicht nur aufgrund des Spaßfaktors mit dem Quad fahren! An einer dieser Stellen zwischen den Bergen entdeckten wir ein Ruinendorf und eine alte Burgruine, die auf dem Felsen empor ragt. Da man die Burg nur zu Fuß erreicht ist es für uns bereits zu spät, um den Aufstieg zu wagen. Also suchen wir uns zwischen den zerfallenen Mauern ein Plätzchen, um den erlebnisreichen Tag abseits vom Touristentrubel Revue passieren zu lassen. 

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Tag 9 

Erneut mit dem Quad unterwegs zieht es uns in den Süden der Insel nach Kardamena. Auf dem Weg dorthin lerne ich die Insel wieder von einer komplett anderen Seite kennen. Die trockenen Hügel erstrecken sich bis hinunter zum Meer, mal zieht knallrotes Gestein an mir vorbei, mal glitzernd Weißes, auf den Hängen stehen alte Olivenbäume und die Straße schlängelt sich den Berg entlang. In Kardamena machen wir einen kurzen Abstecher zu einer Ausgrabung. Nichts spektakuläres, und der Magen knurrt. Direkt am Ortseingang entdecken wir eine kleine Beachbar. Das Ambiente ist sehr locker, am Strand wird Volleyball gespielt und der Frappé schmeckt hervorragend. Wirklich zu empfehlen!Wir machen uns auf den Rückweg und halten an einem kleinen Platz, etwas abseits der Straße. 

Die perfekte Aussicht um den Urlaub bei einem Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. Da sitzen wir nun. Den Zikaden und Glöckchen der Ziegen lauschend blicken wir auf den roten Feuerball, der langsam hinter dem ägäischen Meer und den Hügeln der anderen Inseln abtaucht. Die Zeit scheint schlicht nicht existent zu sein. Und die kalte, graue Heimat ist weit weg. Doch nicht mehr lange, morgen geht’s schon wieder zurück nach Stuttgart in den Kessel… 

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Kos hat mich überrascht, vor allem die Atmosphäre und das Klima sind perfekt um die Seele baumeln zu lassen… Wunderschöne, nicht zu überfüllte Strände, jede Menge interessante Sehenswürdigkeiten, und sogar eine ziemlich abwechslungsreiche Natur hat diese beschauliche Insel zu bieten. Ich komme gerne wieder!

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